HERSBRUCK – Kein gutes Haar ließen Stadträte aller Fraktionen und der Bürgermeister am Unternehmen Deutsche Bahn. Ein gemeinsamer Vorstoß der lokalen Politik soll nochmals den Wunsch nach behindertengerechtem Zugang am Bahnhof rechts bekräftigen. Zugleich sieht man neue Probleme: Sollte die Strecke rechts der Pegnitz einst elektrifiziert werden, könnten in Hersbruck noch mehr Pendolinos als jetzt ohne Halt durchrauschen.
Wie die Debatte über das Gebaren der Bahn gegenüber einer Kleinstadt wie Hersbruck im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung weiterging, kann man sich ausmalen. Denn schon im öffentlichen Teil nahmen die Vertreter von SPD und CSU kein Blatt vor den Mund. Von Arroganz (Uschalt), Ignoranz (Thiel) und untragbaren Zuständen (Benaburger) war die Rede. Auch Bürgermeister Robert Ilg (Freie) war nach einem Gespräch mit der Bahn mehr als angesäuert. Nürnberger Vertreter der Abteilung „Bahn und Service“ hatten beim kürzlich von Stadt und Privatbahn IGE organisierten Eisenbahnfest ein Gespräch mit der Stadt zu allen Themen zugesagt. Ergebnisse brachte diese Begegnung mit der Stadtspitze nun offensichtlich nicht.
Den Wunsch von Bürgern und Stadt nach einem behindertengerechten Zugang zum hochfrequentierten Bahnhof schieben die Verantwortlichen in die Zukunft. Ein Baumaßnahmenpaket für die Jahre 2013 bis 2018 schnürt demnächst der Freistaat. Die Bahnmanager verweisen darauf, dass es ja in Hersbruck demnächst schon einen behindertengerechten Bahnhof gibt: Die S-Bahn-Station links der Pegnitz geht im Dezember an den Start (wobei derzeit unklar ist, ob bis dahin auch die passenden Waggons da sind).
Betroffene und Rathauspolitiker hatten die Bahn gebeten, die letztes Jahr bei einer Schienenreparatur schnell entfernten Behelfsübergänge über die Gleise wieder einzubauen. Doch da sind bundesweite Sicherheitsrichtlinien der Bahn vor, eine solche (gefährliche) Lösung hat keine Chance. Fazit: Es passiert vorerst gar nichts. Die Arroganz der Bahn-Antwortschreiben findet Peter Uschalt (CSU) „schon fast unerträglich“.
„Der Stadtrat der Stadt Hersbruck appelliert an die Staatsregierung, den barrierefreien Ausbau des Bahnhofes rechts der Pegnitz im Planungszeitraum 2013 – 2018 vorzusehen und umzusetzen.“ Gegen diesen Beschluss hatte niemand Einwände. Die heimischen Landtagsabgeordneten Eckstein und Beyer haben ihre Unterstützung zugesagt. Alexander Pollmer (SPD) riet Lokführer Ilg, „den Druck im Kessel hoch zu halten“. Norbert Thiel regte an, das Thema auch in die Metropolregion Nürnberg zu tragen. Denn in Franken gebe es noch mehr Bahnhöfe ohne modernen Zugang. Als Viel-Bahnfahrer urteilte er über den Service des Unternehmens generell: „Das Wort Dienstleistung ist gestrichen, so kann es nicht weitergehen. Dann sollen sie das Unternehmen an Privatbahnen geben, die können es besser!“
Franz Benaburger möchte kurzfristig das Angebot für Radler auf der südlichen (Stadt-)Seite des Bahnhofs verbessern. Der alte verrostete Ständer, hinter Gebäuden und Büschen versteckt, sei „untragbar“ und locke zudem Diebe an. Die neuzeitlichen Stellplätze nördlich der Gleise dagegen werden kaum beklaut. Der Bürgermeister will prüfen, ob die Stadt was tun kann. Denn generell scheint die Bahn der Meinung zu sein, solche Kosten nicht selbst tragen zu müssen.
Die ehemalige Bahnhofskneipe wollte die Bahn schon in einen Spielsalon umwandeln (HZ berichtete). Die Stadt unterband dies. Jetzt bittet die Bahn um Anregungen, was man mit dem Bau tun könnte. Eine Idee (von IGE-Chef Götz) gibt es schon: Ein Fahrradhändler könnte dort für Bahnkunden einen Verleih von Rädern und Elektro-Rädern einrichten. Der Hersbrucker Klimaklub würde die Idee wohl unterstützen, hofft der Bürgermeister.
Zur Frage der Nutzung des gesamten Freigeländes am Bahnhof und zur möglichen Elektrifizierung der Strecke rechts der Pegnitz bis nach Regensburg wird das Rathaus noch weitere Gespräche suchen. Denn die „Abteilung Bahn und Service“ ist da nicht zuständig. Derzeit läuft bahnintern eine Untersuchung, ob sich eine Elektrifizierung der Strecke nach Regensburg lohnen würde. Das aber könnte bedeuten, dass weniger Züge in Hersbruck halten. Die Bahn mag dies derzeit offiziell nicht bestätigen. Nach Informationen der HZ gibt es solche Überlegungen aber bahnintern durchaus.
Auch hier müsste der Hersbrucker Stadtrat dann wohl eine Resolution verfassen…
Walter Grzesiek
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