Es wird furios gezupft

Hersbruck — Ein furioser Auftakt beim Internationalen Gitarrenfestival Hersbruck: Das Diknu Schneeberger Trio sorgte in der Halle der Weinkellerei Raum mit mitreißendem Gipsy Swing für ein fast ausverkauftes Haus und begeisterte Zuschauer. „O’zapft is“, verkündete Johannes Tonio Kreusch, der künstlerische Leiter des Festivals, vor dem Konzert und übersetzte ganz frei: „Angezupft ist es“. Es ist wieder soweit: die internationale Gitarrenwelt versammelt sich für eine Woche im kleinen Hersbruck. Das Eröffnungskonzert bestritt der großartige Diknu Schneeberger mit seinen kongenialen Mitspielern Joschi Schneeberger (Kontrabass) und Martin Spitzer (Rhythmusgitarre).

Die Drei machen Musik im Stile Django Reinhardts, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Die Rhythmen, seine Melodien und die revolutionäre Spieltechnik dienen Schneeberger, dem gefeierten Shooting-Star der Jazz-Szene, als Inspirationsquelle. Passend zum Jubiläumsjahr stellt der junge Österreicher sein neues Album vor. Es heißt – natürlich – „The Spirit of Django Reinhardt“. Gerade einmal 20 Jahre ist er alt, der Bub im blau-karierten T-Shirt und den Turnschuhen. Fast ein bisschen schüchtern wirkt er, wie er da auf der Bühne sitzt und im Wiener Dialekt ankündigt, was er als Nächstes spielt. Doch dann verabschiedet er sich von jeder Scheu und legt los.

Gitarre spielt er erst seit sechs Jahren. Das mag man kaum glauben. Mit einer Fingerfertigkeit, die dem Zuschauer fast den Atem stocken lässt, bearbeitet der junge Musiker die Saiten seiner Gitarre (die übrigens Jürgen Volkert aus Lauf gebaut hat). Er entlockt seinem Instrument Melodien, die der Zuhörer irgendwie alle schon einmal gehört zu haben glaubt. Es sind viele Reinhardt-Kompositionen dabei, aber auch eigene Stücke und sogar die Beatles oder Santana.
Mal klingt bei diesem rasanten Gipsy-Jazz ein bisschen französischer Walzer durch, mal ein paar lateinamerikanische Klänge. Da fällt es schwer, stillzusitzen. Fast jeder im Publikum wippt mit irgendeinem Körperteil mit.

Über Diknus Spieltechnik mit fast allen Fingern, die bei dieser Akrobatik doch eigentlich abfallen müssten, lässt es sich nur staunen. Dafür bekommt er auch jede Menge begeisterten Zwischenapplaus der vielen Gitarrenfans. Er nimmt’s mit zurückhaltendem Lächeln an und macht weiter. Mit ihm zusammen musiziert sein Vater Joschi Schneeberger – genial am Kontrabass. Und Martin Spitzer spielt ebenso großartig die Rhythmusgitarre. Am Ende bekommt das sympathische Trio seinen verdienten frenetischen Applaus. Eine Zugabe muss natürlich her. Und die gibt es auch.

Es ist das erste Gitarrenfestival, das Robert Ilg als Bürgermeister eröffnet hat. Natürlich waren auch zahlreiche Politikerkollegen gekommen, unter anderem Landrat Armin Kroder. Ilg dankte außerdem den zahlreichen Sponsoren und Helfern, die zum Gelingen der Festivalwoche beitragen – unter anderem der Firma Tankbau Raum, die wieder ihre Halle als Veranstaltungsort zu Verfügung stellt. Und Wolfgang Plattmeier, Vorsitzender des Fördervereins für das Gitarrenfestival und Altbürgermeister, freute sich über den Erfolg des Festivals und rührte kräftig die Werbetrommel, den Verein und damit die Gitarrenmusik in Hersbruck zu unterstützen.

Johanna Brennhäußer

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