HIRSCHBACH — Die diesjährige Kirchweih vom 12. bis 16.August ist für die Kirchengemeinde Hirschbach ein besonderes Ereignis. Sie feiert an diesen Tagen den 550. „Geburtstag“ ihres Gotteshauses. Es wurde am 18. Juni 1460 nach einer mehrjährigen Bauzeit eingeweiht. Als Schutzpatron wurde der heilige Wolfgang auserkoren.
Der Jubiläumsgottesdienst wird am Kirchweihsamstag um 18.30 Uhr in ökumenischer Form abgehalten. Danach treffen sich alle auf dem Festplatz im Reichental zum Feiern bei Musik, Speise und Trank. Am Sonntag gibt es dann den üblichen Kirchweihgottesdienst um 9.30 Uhr in der Kirche. Beide Geistliche, der evangelische für die Kirchengemeinden Eschenbach und Hirschbach und der katholische von der Pfarrei Heldmannsberg/ Pommelsbrunn, Gerhard Durst und Roland Klein, wollen damit ein weiteres Zeichen setzen für die Ökumene, die in Hirschbach seit Jahren ganz selbstverständlich praktiziert wird.
Auch wenn die Hirschbacher Kirche nie eine Simultankirche war, werden in diesem Gotteshaus auch katholische Gottesdienste abgehalten, zur Zeit jeden Freitag, je nach Jahreszeit um 18 oder 19 Uhr, sowie an Weihnachten und Ostern. Die Hirschbacher Kirche, ein wenig versteckt und eingezwängt zwischen Gebäuden und dem mächtigen Bergfuß der Hammerleite, ist ursprünglich als Schlosskapelle für die Familien der Hammerherren und deren Gesinde erbaut worden. Auch kranke oder behinderte Einwohner durften dort die Messe hören. Alle anderen Einwohner mussten wie vorher auch weiter nach Eschenbach gehen. Selbst beim Bau der Schlosskapelle musste der damalige Hammerherr, Jakob Sauerzapf, den Papst um Hilfe bitten. Er hatte letztlich doch die Autorität den Bau zu genehmigen.
Für die Hirschbacher und die Bewohner der anderen Ortschaften, die heute zur Kirchengemeinde gehören (wie Obermühle, Unterklausen, Hauseck und Loch) war der Weg nach Eschenbach nicht nur weit, sondern auch sehr beschwerlich. Der Zustand hielt sich über Jahrhunderte hinweg. Gottesdienst wurde in Hirschbach „alle heilige Zeit einmal gehalten“, so ist es niedergeschrieben. Viel später dann war im Jahr viermal Gottesdienst. Pfarrer Walter Metzer, noch von den Patronatsherren Ebner von Eschenbach eingesetzt, führte schließlich einen vierzehntägigen Gottesdienst ein. Während seiner Amtszeit, im Jahre 1957, wurde Hirschbach von der Landeskirche zur selbständigen Kirchengemeinde „aufgestockt“. Pfarrer Hans Joachim Hornfeck, der Pfarrer Metzer nach einer 40-jährigen Amtszeit in Eschenbach 1991 verabschiedete, machte die Hirschbacher Gemeinde dann volljährig, als er die sonntäglichen Gottesdienste einführte. Sämtliche kirchlichen Veranstaltungen fanden nun ebenfalls in Hirschbach statt.
Die Schlosskapelle musste in all den Jahrhunderten vielerlei Um,-An und Ausbauten über sich ergehen lassen. Allein bei drei verschiedenen Kupferstichen hat die Hirschbacher Kirche ihren Turm an einer anderen Stelle. Größere Renovierungen fanden in der Neuzeit in den Jahren 1965/66 und 2001/02 statt.
Pfarrerin Christine Schürmann, die Nachfolgerin von Pfarrer Hornfeck, verließ Eschenbach und Hirschbach bereits im September 2007. Nach der Vakanz übernahm Pfarrer Gerhard Durst die Pfarreien. Zum Jubiläum wird das Kirchenvorstandsmitglied Paul Haller aus Unterklausen eine umfangreiche Festschrift herausgeben. Über Monate hinweg hat er akribisch recherchiert, um die 550 Jahre Schlosskapelle beziehungsweise Hirschbacher Kirchengeschichte zu durchleuchten.
G. Taubmann
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