HERSBRUCKER SCHWEIZ – Ein Radwegenetz im Hammerbachtal, der Ausbau des Pommelsbrunner Heimatmuseums, ein Quartier für Kletterer in Grünreuth, die Sanierung der Burg Hohenstein, eine Begegnungsstätte in Reichenschwand und mehr Qualität bei Beherbergung und Gastronomie: Den 13 Altlandkreisgemeinden in der Hersbrucker Schweiz gehen die Ideen für eine attraktive Gesundheitsregion nicht aus, manchen allerdings das Geld.
Der Kirchensittenbacher Bürgermeister Peter Stief wagte leise Kritik am Füllhorn der Europäischen Union. Zwar ist aus dem EU-Leader-Programm, wie Geschäftsführerin Gudrun Donaubauer in der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft LAG auflistete, bereits wieder eine halbe Million Euro für Projekte im Hersbrucker Land zugesagt (Gesamtkosten der Projekte 1,5 Mio. Euro). Und Gemeinden und Privatleute planen weitere touristische und Gesundheits-Projekte in Höhe von 2,2 Mio. Euro. Aber manche Gemeinden können ihren Eigenanteil nicht schultern. So blieb Stief beim einzigen Projekt aus Kirchensittenbach skeptisch: der Sanierung der Burg Hohenstein für eine Dreiviertelmillion Euro. Der antragstellende Verschönerungsverein müsste selbst die Hälfte der Kosten stemmen, ein potentieller privater Investor ist ausgestiegen, die Gemeinde kann keinesfalls einspringen.
Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg als Vorsitzender der LAG sowie Landrat Armin Kroder nahmen die Kritik Stiefs auf. Man wolle mit anderen LAGs über die Richtlinien der Zuschussvergabe reden und Verbesserungsvorschläge dem zuständigen Ministerium in München mitteilen. Der neue Leader-Manager der Regierung in Uffenheim, Ekkehard Eisenhut, bat allerdings, Kritik am Förderkonzept gleich bei der EU in Brüssel einzureichen. Der Landrat versprach, die Arbeit an einem neuen Marketing- und Tourismuskonzept für den ganzen Landkreis solle „den Blick über den Kirchturm hinaus fördern“ und die „Leuchttürme“ der Hersbrucker Schweiz und des Nürnberger Landes besser sichtbar machen.
Und das sind die neuen Projekte, die auf der Sitzung mit den Bürgermeistern der 13 Altlandkreis-Gemeinden sowie Vertretern gesellschaftlicher Gruppen vorgestellt wurden:
- Radwegenetz Hammerbachtal: Die drei Gemeinden Engelthal, Offenhausen und Henfenfeld weisen 92 Kilometer Radwege aus. Es gibt drei Hauptrouten unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit. Sie führen vom S-Bahnhof Henfenfeld meist auf eigenen Wegen durch die Täler, zu Sehenswürdigkeiten und Gaststätten. Von den 12 000 Euro für den Ausbau zahlt die EU die Hälfte.
- Ausbau Heimatmuseum Pommelsbrunn: Das 15 Jahre alte Heimatmuseum (frühere Schulhaus) hatte bisher mit einer großen Zinnfigurensammlung und einer Schau zur Höhlenruine Hunas zwei Schwerpunkte. Jetzt sollen hinzukommen: eine Fossilienabteilung (bereits fertig), eine Höhlenabteilung (fast fertig), Tiere der Heimat (Exponate vorhanden), die „Goldene Straße“ (in Planung), die Houbirg (Diorama vorhanden) und das Doggerwerk im Dritten Reich (in Planung). Die 50 000 Euro Ausbaukosten teilen sich Gemeinde und EU. Genutzt fürs Museum wird künftig auch ein Raum im nebenan entstehenden Gemeindehaus. Mit dem Badhausmuseum und dem Eiszeit-Museum im alten Bahnhof Hartmannshof entwickelt sich Pommelsbrunn so zur Museumsmeile mit Schwerpunkt Naturkunde.
- Herberge für „Outdoor“-Touristen in Grünreuth: Die Gemeinde Hartenstein will das sogenannte Schildwoppshaus, ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, als einfaches Quartier für Selbstversorger anbieten, ein Hausmeister in der Nähe soll Wanderern, Kletterern und Radsportlern auch kurzfristig einfache und preiswerte Übernachtung für 15 bis 20 Personen anbieten können. Der Bedarf ist da, versichert Bürgermeister Werner Wolter, Speis und Trank bieten die umliegenden Lokale. Der Ausbau des gemeindeeigenen denkmalgeschützten Bauernhauses kostet 250 000 Euro, die Hälfte wären Zuschüsse.
- Erschließung der Burg Hohenstein: In der Ober- oder Hauptburg soll die Geschichte der Anlage, im sogenannten Langen Haus die der Nürnberger Herrensitze erlebbar werden. Dabei will man sich mit Projekt „Erlebte Geschichte“ der Burg Hartenstein verknüpfen. Eine solche Bereicherung der Burg für Kulturtouristen erfordert allerdings einige bauliche Sanierung. 740 000 Euro sind dafür veranschlagt, die Hälfte müsste der örtliche Verschönerungsverein selbst aufbringen. Der hofft nach dem Absprung eines potentiellen Sponsors auf andere private Liebhaber.
- Begegnungsstätte für Jung und Alt in Reichenschwand: Einen EU-bezuschussten „Bürger-Meeting-Raum“ hat die Gemeinde ja schon im Rathaus. Jetzt soll am Kirchplatz in dem geplanten Mehrzweckhaus eine generationsübergreifende Begegnungsstätte entstehen. Gruppen und Vereine sollen den Saal für Spiel und Freizeit, für Wissensvermittlung und gesellschaftliches Miteinander nutzen. Zu den nötigen 50 000 Euro hierfür steuert die Gemeinde die Hälfte bei.
- Rundwanderweg um die Burg Hartenstein: Das schon beschlossene Modell „Erlebte Geschichte“ wird um einen Burgrundweg ergänzt. Zu den dann 217 000 Euro Gesamtkosten gibt es gar 60 Prozent EU-Zuschüsse, weil das Geschichtsmodell in Kooperation mit zwei anderen EU-Arbeitsgemeinschaften entsteht.
- Mehr Qualität bei Hotels und Gaststätten: „Qualitätsoffensive Frankenalb“ heißt eine Veranstaltungsreihe, die sich an Hoteliers und Wirte richtet. Bundesweite Qualitätsstandards wie „bett & bike“ des Fahrradclubs ADFC oder „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“ des Deutschen Wanderverbandes werden vorgestellt und beworben. Schließlich soll es auch Fortbildungsangebote für die Mitarbeiter geben. Auch für dieses 20 000 Euro-Programm gibt es 50 Prozent Zuschuss.
Walter Grzesiek
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