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Stadträte auf Stippvisite bei Création Gross

„Création Gross“ wird im Sommer einen Online-Handel im Internet eröffnen, die Firma floriert und hat das Daiber-Areal gekauft. Im „gläsernen“ Konferenzsaal des Textilherstellers erfuhren Bürgermeister Robert Ilg, sein Vertreter Peter Matzner und Stadträte von Chef Peter Gross Wissenswertes aus erster Hand über einen der wichtigsten Hersbrucker Arbeitgeber.

Robert Ilg möchte mit den Stadt_räten alle größeren Betriebe der Citta Slow „offiziell“ besuchen und so den Dialog intensivieren. Peter Gross zeigte sich mehr als aufgeschlossen für diese Idee. „Es ist notwendig, dass man sich in Hersbruck ‚kurzschließt’, einen Einblick bekommt, wie die Unternehmen aufgestellt sind und wie deren Zukunftsperspektiven aussehen“, sagte er.

Kurz skizzierte der Geschäftsführer, dem der international operierende Familienbetrieb mit einem Cousin gehört, den Stand der Dinge. Création Gross mit den Hauptmarken „Carl Gross“ und „CG“ beliefert zum einen namhafte Partner wie Wöhrl, Karstadt und Breuninger mit seinen Anzügen, Sakkos, Hosen und Accessoires. Zum anderen gibt es drei „Factory Outlet Center“ (FOC), zu deutsch Fabrikverkauf. Diese haben sich zu einem starken Wachstumsfeld entwickelt, bilden aber auch eine „Art Ventil“ für überschüssige Ware, so Peter Gross.

Das Unternehmen hat seine Produktionsstätten in Südosteuropa und stellt jährlich 450_000 Anzüge her. 2010 war ein sehr erfolgreiches Jahr, sagte Peter Gross. Der Umsatz lag bei rund 50 Millionen Euro. 2011 ist gut angelaufen. Explodierende Rohstoffkosten (die Preise für Baumwolle haben sich verdreifacht) und hohe Investitionen im Ausland werden heuer aber den „Ertragsbereich beeinflussen“.

Stadtrat Adolf Loos erkundigte sich nach Internethandel. Dieser ist im Aufbau, antwortete Peter Gross. Als Risiko bei diesem Segment bezeichnete er die große Retourenrate, denn: „Ein Anzugkauf ist erklärungsbedürftig.“ Auf Nachfrage von Guido Schmidt meinte der Firmenchef, dass der Onlinehandel das „normale“ Geschäft nicht „kannibalisiert“, und zwar wegen der unterschiedlichen Zielgruppen.

Robert Ilg wollte wissen, ob der Fabrikverkauf in Hersbruck eine Konkurrenz für den Handel in der Innenstadt darstellt. Am verkaufsoffenen Sonntag im Rahmen des Schaffestes waren das Gross-FOC wie auch die Altstadt bestens besucht, erwiderte der Firmenchef. Er möchte mehr Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforum. Schließlich suchen die Kunden das „Event“ und alle Seiten könnten etwa durch gemeinsame Werbung voneinander profitieren.

Peter Gross trug den Stadtratsmitgliedern auch eigene Anliegen vor. „Wir sind ein Modeunternehmen, unsere internationalen Kunden wollen zu uns nicht durch Schlaglöcher fahren“, wies er auf die marode Houbirgstraße hin. Die Stadtspitze versprach Besserung.

Bedeckter hielt sich der Bürgermeister („Wir nehmen die Botschaft mit“), als der Gastgeber auf die angehobene Gewerbesteuer und im Kontrast dazu jährlich sechsstellige Ausgaben für die Stadt hinwies. Man kann nicht immer die Einnahmen erhöhen sondern auch die Ausgaben müssen überprüft und gesenkt werden, sagte er und führte als Beispiel die Stadtbusse an, die nur zu Schulbeginn und Schulschluss gut frequentiert sind. In dem Bereich hält der Unternehmer effektivere und kostengünstigere Lösungen für machbar, ohne den Service spürbar zu reduzieren.

Robert Ilg freute sich, dass Peter Gross das Daiber-Areal neben dem E-Center als Reservefläche gekauft hat: „Ein weiteres Bekenntnis zum Standort Hersbruck.“ Die Front (gegenüber der BayWa-Tankstelle) der alles andere als schön aussehenden Industriebrache soll mit großen Stoffmarkisen als Werbefläche verkleidet werden. „Eine charmante Lösung“, sagte der Firmenchef.

Der Geschäftsführer ließ es sich nach der „Theorie“ im Konferenzsaal nicht nehmen, die Gäste selbst durch die Zentrale seines Unternehmens bis hin zum Fabrikverkauf zu führen. Von den 160 Angestellten in der Citta Slow (weltweit 650) arbeiten die meisten in der Verwaltung. 30 fertigen in der Produktion Einzel- und Musterteile. Alle Waren – egal ob Rohstoffe oder dann die fertigen Produkte – kommen erst nach Hersbruck und durchlaufen dort eine strenge Qualitätskontrolle, sagte Peter Gross. Im Schnitt werden täglich 2000 Teile an- und ausgeliefert.

Jürgen Ruppert

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