HERSBRUCK – „Ich spreche Euch von der Lehre fei und erhebe Euch in den Facharbeiterstand“, sagte Innungs-Obermeister Heinz Oppel die entscheidenden Worte. 13 Azubis aus Betrieben von Velden bis Röthenbach machte er so zu Schreinergesellen. Ein Höhepunkt war die Verleihung der Preise „Die gute Form“ mit „professoralem“ Lob durch Ingo Klöcker.
Bei der Feier in der Hersbrucker Sparkasse überreichten Heinz Oppel und Lehrlingswart Martin Wölfel die Zeugnisse auch an die heimischen Absolventen: Nils Hager von den Unterkrumbacher Möbelmachern, Dennis Krieger (er lernte bei Schreinermeister Stephan Lehr in Engelthal), Mehmet Mercan (Schreinerei Albatros in Förrenbach), Klaus Scharstein von der Schreinerei Knodt in Hersbruck und Ingo Treutlein (Schreinerei Taubmann in Velden).
Die Gesellenstücke – Sideboards, Tische, TV-Möbel – sind bis Mitte August in der Kundenhalle der Hersbrucker Sparkasse ausgestellt. „Es ist ein reizvolles Ambiente unter der Glaskuppel“, zollte Michael Adamschewski, Leiter der Berufsschule 11 in Nürnberg, seine Anerkennung für die Wahl des Raumes. Die Öffentlichkeit kann sich beim Betrachten der Exponate ein Bild von der Leistungsfähigkeit der Jungschreiner machen, sagte Jürgen Rolle von der Sparkasse.
Schon traditionell brachte Professor Ingo Klöcker Glanz in die Zeugnisverleihung. Der Ohm-Fachhochschullehrer hielt ein Plädoyer für den Werkstoff Holz: interessante Maserungen, wunderbare Farbenspiele, glatte Oberfläche wie ein menschlicher Oberschenkel.
Beim Wettbewerb „Die gute Form“ ging es letztlich um „Design“. Ingo Klöcker warnte zum Beispiel vor Kombinationen von Holzsorten („das verfälscht“). Auch „Gags“ wie Lichtelemente gehören seiner Meinung nach zum schlechten Design. Der Experte deckte zudem funktionale Schwächen wie „Kniekiller“ bei einem Tisch auf.
Zusammen mit den Fachleuten Wolfgang Ganser, Angelika Eisenbrand-Leykauf, Lothar Grimm, Gerd Wagner und Anja Schütz hatte der Professor sieben Gesellenstücke bewertet. Eine Belobigung erhielten Ingo Treutlein und Dennis Krieger. Der dritte Preis ging an Florian Stahlmann (Schreinerei Oppel in Schönberg), Platz zwei wurde nicht vergeben, Gewinner war Anton Wurm (Oppel) mit seinem Garderoben-Sideboard aus zwei Grundkörpern nach dem Prinzip „weniger ist mehr“.
In seinem Grußwort hob Landrat Armin Kroder die Wichtigkeit des Handwerks im Nürnberger Land mit 2300 Betrieben, 10.000 Mitarbeitern und 500 Millionen Euro Jahresumsatz hervor. Lothar Schuster von der Berufsschule Lauf mahnte die Gesellen zu ständiger Weiterbildung: Das Wort „ausgelernt“ gilt nicht mehr.
„Vielleicht können Ihre Urenkel die Exponate noch bewundern“, veranschaulichte Dr. Thomas Pirner, Vizepräsident der Handwerkskammer Mittelfranken, den Wert einer Schreinerarbeit. Jahrgangsbeste waren heuer Christian Bieber (Schreinerei Wölfel in Neunhof) mit 86,6 von 100 möglichen Punkten, Klaus Scharstein mit 81,6 und Dennis Krieger mit 81,2 Zählern.
Jürgen Ruppert
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