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Bio-Huhn schmeckt zarter

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Nach der neuen Debatte über zu viel Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung und resistente Keime sind die Verbraucher verwirrt. Was kann sorgenfrei gegessen werden und auf was sollte beim Einkauf geachtet werden? Die HZ erkundigte sich bei Öko-Direktvermarktern von Geflügel in der Region.

„Ich vergifte doch meine Kunden nicht“, bringt es Gerhard Haas auf den Punkt. Gemeinsam mit seiner Familie züchtet er Hähnchen, Kaninchen und Puten. „900 Gockala haben wir in diesem Jahr verkauft“, sagt der Hersbrucker. Kein einziges davon war mit Antibiotika behandelt. Denn einen Grund, krank zu werden, haben seine Tiere kaum: Sie laufen frei herum, bekommen selbst gemachtes Futter und sind schon deswegen besser gegen Krankheiten gefeit als Tiere in der Massenzucht. Die „Ware“ braucht bis zum Verkauf natürlich mehr Zeit und ist teurer als im Supermarkt. Aber das „Billigste ist nicht immer das Beste“, ist der nebenberufliche Landwirt überzeugt. Daher müsse ein Umdenken bei den Kunden stattfinden.

Dieser Ansicht ist auch Bernhard Moos. Die Stammkundschaft seines Bio-Geflügelhofes in Pommelsbrunn vertraut seit Jahren auf seine gezüchteten Hühner und Gänse, wie auch zahlreiche Bioläden der Region. Die Zartheit des Fleisches, dessen Eigengeschmack und der niedrigere Fettgehalt seien nicht mit den Produkten aus Discountern vergleichbar. Die Wahrscheinlichkeit, bei Produkten aus der Bio- und Freilandhaltung schlechte Ware zu bekommen, schätzt er wesentlich geringer ein als bei industrieller Fertigung. Dort sehe er „schon ein Gefahrenpotenzial“. Grundsätzlich findet der Biologe es sinnvoll, die Mastzeiten von Hähnchen, Suppenhühnern und Co. zu verlängern und die Mengenanzahl pro Stall zu begrenzen.

Die Bestandsobergrenzen der Herden gesetzlich zu reduzieren, hält auch Klaus Heiselbetz für richtig. Er muss es wissen: Seit 19 Jahren verkauft der gelernte Geflügelzüchter aus Mühlhausen in der Oberpfalz freitags am Hersbrucker Wochenmarkt seine Produkte. Seine Tiere bekommen garantiert antibiotikafreies Futter, bis aufs Eiweiß alles von ihm selbst angebaut. Das umstrittene Arzneimittel wird lediglich bei kranken Tieren in der vom Arzt verschriebenen Dosis verabreicht. In keinem Fall aber zur Krankheitsprophylaxe.

Den Verbrauchern rät er, nur bei Bauern einzukaufen, denen sie vertrauen und sich gut aufgehoben fühlen. In den letzten Tagen haben viele Kunden bei ihm angerufen und sich nach seinen Bio-Produkten erkundigt. Debatten wie die momentane wirkten sich durchaus „umsatzsteigernd“ für ihn aus.

Die drei Öko-Direktvermarkter sind typisch für das Nürnberger Land, das durch kleinere Betriebe bei der Hühnerzucht gekennzeichnet ist. Größere Mastbetriebe, die durch zu viel Einsatz von Antibiotika in die Kritik geraten sind, gibt es in der Region keine. „Fleischkontrollen werden gesetzlich vorgeschrieben erst bei einer Haltung ab 10 000 Tieren durchgeführt“, sagt der Leiter des Veterinäramtes des Landratsamtes Günther Linz. Geflügelfleisch, das unter dieser Grenze produziert wird, darf direkt ohne Kontrolle vermarktet werden. Trotzdem wird es regelmäßig auf Arzneimittel, Tiergesundheit und Hygiene bei der Schlachtung überprüft. Bis Ende Januar lässt das Amt bei den tierärztlichen Kontrollen den Antibiotikaanteil in Futtermitteln überprüfen. Außerdem wurde eine Dienstversammlung zum Thema anberaumt.

Ulla Meckler

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