HOHENSTADT – Es war Gott sei Dank keine schunkelnde Neujahrsfahrt und kein walzerseeliges Getöse: Das Collegium Musicum Hersbruck begeisterte bei zwei Neujahrskonzerten das zahlreiche Publikum samt Landrat und vielen Bürgermeistern. Die Europareise führte vom triumphmarschmäßigen London übers mystische Bergen bis aufs Wiener Tanzparkett.
Nein, liebe Kinder, Europa war nicht immer nur ein Gerangel um Triple A, Merkozy und Rettungsschirme. Es war ein Kontinent, auf dem ein Italiener wie Gioacchino Rossini und ein Kölner wie Jakob Offenbach gern in Paris lebten, ein Ungar wie Franz Listz nach Bayreuth kam und ein Hamburger wie Johannes Brahms nach Wien.
Diese Künstler und viele ihrer Zeitgenossen erduldeten zwar ein Europa vieler Währungen und Zollschranken, aber sie genossen die musikalische Vielfalt dieses Kontinents, die ihr eigenes Schaffen bereicherte. Diese Botschaft wollte uns heutigen Rating- und Börsen-Hörigen das ambitionierte Collegium Musicum wohl senden und hatte fürs erste Neujahrskonzert (an zwei Abenden war der Markgrafensaal fast ausverkauft) ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt.
Da waren zwar auch mal Cancan oder „Pomp and Circum stances“ zugelassen. Aber ansonsten achtete Programmchefin und Dirigentin Susanne Pflaumer darauf, dass auch ruhige und komplexere Stücke zur Geltung kamen. Das auf 55 Kräfte aufgestockte Ensemble zeigte dabei die ganze Breite seines Könnens. Auch beim lautesten Marsch und schnellsten Walzer ließen sich die Bläser und Trommler wieder von sanften Geigen und hellen Flöten einfangen. Vor allem bei den Serenaden und Rapsodien konnte der als Gaststar erneut eingeflogene Dresdner Violonist Christoph Geibel seine spielerische Leidenschaft entfalten.
Ute Danzer flog als Rossinis Elster Pica Pica die musikalische Route von Mailand über Paris und London nach Bergen und Petersburg voraus, um dann im zweiten Teil das Publikum langsam in die einstige Donau-Monarchie einzuschunkeln. Zum Schluss gab es endlich Donau- und Kaiserwalzer — auch wenn Susanne Pflaumer ihrem Publikum dazwischen noch ein etwas komplexeres Mozart-Rondo zumutete.
Ein vielfältiger, unterhaltsamer und lehrreicher Abend. Der Unterschied zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker? In Hohenstadt sitzen die Japaner nicht im Publikum, sondern im Orchester. Und auch rein optisch macht die bunte Mischung aus Mädchen und Jungs, Alt und Jung mehr her als der Wiener Männer-Club.
Walter Grzesiek
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