Brückenfreunde suchen neue Mitstreiter

NEUHAUS (km) — Das Ergebnis der Gespräche zwischen Vertretern der Deutschen Bahn und Abordnungen von Behörden – insbesondere vom Denkmalschutz und von der Denkmalpflege – über die geplante Erneuerung der 23 Pegnitzbrücken zwischen Neuhaus und Nürnberg ist Thema des letzten Treffens der Bürgerinitiative „Eisenbahnbrücken Pegnitztal“ in Neuhaus gewesen. Zudem wurde überlegt, mit welchen Maßnahmen mehr Mitbürger für die Initiative zur Rettung der Stahlbrücken gewonnen werden könnten.

Vorstandsmitglied Georg Buchfelder bedauerte, dass die zur Veranstaltung geladenen Gäste – MdB Marlene Mortler CSU und Kreis- und Bezirksrat Norbert Dünkel – verhindert waren. Dafür begrüßte er umso herzlicher die Mitstreiter, die trotz des „Frankenfaschings“ nach Neuhaus gekommen waren.

Aus der Sicht der Bürgerinitiative brachten die Gespräche in der Nürnberger Außenstelle des Eisenbahn-Bundesamtes (wir berichteten) keine überzeugenden Argumente für den Abriss aller Stahlbrücken. Besonders beklagte Harald Enes, dass aufgrund der Untersuchung von nur vier Pegnitztalbrücken alle 23 Stahl- durch Betonbrücken ersetzt werden sollen. Lediglich für die beiden Brücken bei Eschenbach und Vorra sei eine Stahlfachwerkkonstruktion vorgesehen. Zudem halte er die Begründungen, mit denen die Bahn eine Reparatur, insbesondere der sieben Brücken im oberen Pegnitztal, ablehnt, für wenig stichhaltig. Den Argumentationen, es gebe Probleme mit den Widerlagern, der Abtransport der alten Brückenteile sei nicht möglich oder die Beseitigung des Rostfraßes bringe Risiken beim späteren Zusammenbau mit sich, könne er nicht folgen.

Buchfelder meinte, die Bahn mache es sich zu einfach, das Ergebnis von vier untersuchten Brücken auf alle 23 zu übertragen. Die Bürgerinitiative habe deshalb über ihren Anwalt Einsicht in die Bahngutachten gefordert. Zudem wäre es aufschlussreich zu wissen, wer die Gutachten erstellt hat. Anzustreben wäre, so Buchfelder, ein neutrales Gutachten für jede Brücke. Diese würden darüber Auskunft geben, ob alle alten Stahlbauten unbedingt den geplanten Betonbauten weichen müssen. Grundsätzlich befürchte man, die Planungen der Bahn seien in der Sache bereits abgeschlossen.
Man könne sich beim Lesen des Protokolls der Nürnberger Gespräche außerdem nicht des Eindrucks erwehren, die Bundesbahn weise der Bürgerinitiative die Rolle eines Bremsers bei der Planung der Brückenerneuerungen zu. Die eigentlichen Absichten wie das Einstehen für Heimatbewusstsein und Denkmalschutz würden anscheinend nicht ernst genommen.

Einig war sich die Versammlung über die Notwendigkeit, die Zahl der Mitstreiter der Bürgerinitiative steigern zu müssen. Auch müsse der Aktionsradius der Initiative über Hersbruck hinaus über Lauf bis Nürnberg vergrößert werden. Anneliese Urbat stellte den Entwurfs eines Plakats zur Diskussion, das die Flyer ergänzen soll. Ingrid Buchfelder berichtete, sie habe Verbindung mit dem Bayerischen Fernsehen aufgenommen. Auch die Kontakte zu Parteien sollen erweitert werden. Und vor allem brauche man Sponsoren.

In Arbeitsgruppen soll über Aktionen beraten werden, um auf das Anliegen der BI aufmerksam zu machen. Gedacht ist an eine Brückenwanderung, einen Informationsstand bei den bevorstehenden Klettertagen im Pegnitztal, T-Shirts oder an eine Veranstaltung größeren Umfangs im Raum Hersbruck. Auch an eine Demonstration müsse gedacht werden.

Trotz der etwas schleppend anlaufenden Unterschriftenaktion hält Anneliese Urbat die Ziele der Bürgerinitiative für realisierbar und nicht für utopisch. Man müsse mehr Aufmerksamkeit auf die Idee der Bürgerinitiative lenken. Motivationshilfe für die Stahlbrückenfreunde leistete Ingrid Buchfelder zum Abschluss und las aus einem Interview mit Prof. Dr. Dr. Ing. E.H. Gottfried Kiesow, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, vor. Kiesow vertritt darin die Ansicht, alle historischen Bauten und Stätten seien es wert, vor dem Verfall geschützt und gepflegt zu werden, da sie alle Zeugnis von dem gäben, was unseren Vorfahren wichtig gewesen sei. Noch heute könne man von früheren Handwerkern und Architekten lernen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Verwandte Artikel

Der Brückenstahl ist marode 9. Februar 2012
Eisenbahnbrücken sollen aus Eisen bleiben 26. Januar 2012