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Hersbrucker zeigen ihre Lieblings-Kunstwerke

HERSBRUCK — Bunt wie Mosaiksteinchen präsentieren sich die Lieblingskunstwerke, die die Hersbrucker von Wänden und Sockeln und aus Schubladen geholt haben, um sie für einige Wochen im Kunstmuseum der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Ausstellung öffnet am Donnerstag, den 9. Februar um 20 Uhr mit einer Vernissage, bei der die kleinen Geschichten, die Werk und Besitzer verbinden, erzählt werden.

In Kurzform steht das auch auf den Texten zu den Werken: Von einer winzigen Zeichnung bis zu einer stolzen Schönen in slawischer Tracht , vom sorgfältig gepinselten Heimatbild bis zur ausdrucksstarken gestischen Arbeit unserer Tage findet sich hier alles.

Dieter Serfas hat seinen „Lamanovale”, den „Handlanger” , in Mailand einem italienischen Künstler abgeschwatzt. Die Materialcollage fiel ihm bei einem Konzert mit seiner Band „Embryo” an den Wänden des von Hausbesetzern vereinnahmten Fabrikgeländes auf, wo das Konzert stattfand. Den geforderten „Kuss” als Preis fürs Kunstwerk ersetzte Dieter Serfas lieber durch eine seiner CDs.

Ebenfalls aus Italien stammt ein vollständiges Schachspiel, das 1947 von einem Kriegsgefangenen der Amerikaner lediglich mit einem Taschenmesser geschnitzt worden war. Aus einem Zeitvertreib oder einer Betätigung, um eine schlimme Zeit zu überstehen, ist ein vielteiliges kleines Kunstwerk geworden. Eindrucksvoll belegen die gut erkennbaren „Türme”, die ihren großen Vettern in Pisa und San Gimignano nachgebildet sind, dass trotz allem die kulturellen Schönheiten des Landes keineswegs an dem Holzkünstler verloren waren.

Neben diesen „Exoten“ konzentriert sich die Sammelleidenschaft der Hersbrucker aber durchaus auf regionale Kunst. So präsentiert Martin Scheder aus Alfeld ein kleines Beispiel aus seiner großen Sammlung von Werken Peter Angermanns. Dieser Schüler von Gerhard Wendland und Joseph Beuys , der inzwischen an der Kunstakademie Nürnberg lehrt, hat den Gegenstand in der Malerei nie aufgegeben und den Humor nie vernachlässigt. Auch deswegen hängt sein kleines Ölbild „Pom Fritz” bei Scheder in der Küche.

Gelingt es, ein etwa zwei mal drei Meter großes Angermannwerk durch die Eingangstür des sehr kompakten Kunstmuseums zu zwängen , dürfen sich die Besucher auf einen richtigen „Schinken” freuen. Bilderbuchillustrator Michael Schober hievt einen gewaltigen, grob aus einem Stamm gehauenen Sockel ins Museum — und setzt ein nicht einmal spannenlanges Figürchen darauf. Schober schätzt Angermann nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Freund und liebt an der Figurine die graziöse und doch selbstbewusste Haltung.

Klaus Wagner hat dem Museum eine Lithographie mitgebracht, in dem ein starkes Schwarz mit Pastelltönen kontrastiert — so wie konzentrierter Ernst und Spielfreude sich bei den abgebildeten „Kartenspielern” die Waage halten. Er bewundert, wie sich in dieser Druckgraphik, deren Hersteller er nicht kennt, in den wenigen Strichen sowie der sparsam und flächig eingesetzten Farbe die spannungsreiche Atmosphäre eines Kartenspiels widerspiegelt.

In einer Ausstellung in der Boutique Libera, die es längst nicht mehr gibt, stellte Kevin Coyne, der Nürnberger Maler und Musiker mit internationalem Renommee seinen Kaspar Hauser-Zyklus aus. Die trotzige Gebärde des dahin Schlitternden , die Fähigkeit, sich auch in widrigen Situationen noch zu behaupten, sah Gerlinde Bergers Lebensgefährte auch in ihr und schenkte ihr das Bild.

Einen überregionalen Ruf hat auch Akademieprofessor Hans-Peter Reuter, der „Kachel-Reuter”. Einen Druck im typischen Ultramarinblau zeigt die Schau „Lieblingskunstwerke”  ebenso wie einen Franz Vornberger. Der Wernecker hat frühe Eindrücke aus den Kriegsjahren in expressionistischen Bildern verarbeitet und ist mit einem „Engel” aus der Spätphase vertreten. Auch die Nürnberger Künstlerinnen Bettina Jaenicke, Annette Huschka und Stephanie Löw sind mit Arbeiten zu finden.

Ute Scharrer

Mittwoch bis Samstag 14 bis 18 Uhr und sonntags 10 bis 16 Uhr.

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