Wie soll der Tourismus hier heißen?

NÜRNBERGER LAND – Zwei große Fragen will Landrat Armin Kroder bis zu den Sommerferien im Kreistag klären: Übernimmt die Tourismusregion „Frankenalb“ den in Wirtschaft und Politik gebräuchlicheren Landkreis-Namen „Nürnberger Land“? Und: Bündeln Kommunen und Tourismusvereine ihre Kräfte zu einem gemeinsamen touristischen Auftritt nach außen – und nehmen für grundlegendere Verbesserungen auch noch richtig Geld in die Hand?

Bei der Namensfindung tendieren die Befragten derzeit Richtung „Nürnberger Land“ (hierzu folgt eigener Bericht). In jedem Fall ist die Entscheidung hier nicht mit großen Kosten behaftet. Folgt die Kreistagsmehrheit allerdings den Aktions-Vorschlägen, die das Hamburger Tourismusinstitut „Inspektour“ in der Diskussion mit vielen heimischen Kräften erarbeitet hat, dann stehen dem Nürnberger Land große Kraftanstrengungen bevor.

Institutsleiter Ralf Trimborn fasste im Kreisentwicklungsausschuss des Kreistags nochmals zusammen, was er im November vor großem Kreis mit Hoteliers und heimischen Fachleuten dargelegt hatte: Das Nürnberger Land — so das Ergebnis aus Befragungen, Fach-Interviews und Analysen — hat zahlreiche Stärken im immer wichtigeren Segment von Kurzzeit-Urlaubern und Tagesausflüglern: vom Wandern, Radeln, Klettern und gutem Essen bis zu Wellness, Burgen, Naturdenkmälern und Märkten. Aber der Landkreis tritt nach außen nicht einheitlich auf, ist in den neuen Medien (Internet, Facebook, GPS und QR-Codes) nur unzureichend präsent.

Schon die Vielfalt regionaler Titel sehen die Hamburger als Beleg für fehlende Konzentration: von der „Frankenpfalz“ über die Hersbrucker Schweiz, das Schnaittachtal und das Altdorfer Land bis zur neuen Region „Schwarzachtal“. Nur unter einem gemeinsamen Label — ob Frankenalb oder Nürnberger Land — sei das kleine Landkreis-Gebiet deutschlandweit zu vermarkten.

Dazu kommt: Das touristische Potenzial des Landkreises sei weitaus größer als die derzeit 4 500 „Kapazitäten“, eine Zählgröße für Betten und Stellplätze. Minimal sollten eigene touristische Regionen heute mindestens 7 000 Kapazitäten haben. Fürs Marketing müsse man dann aber statt derzeit 250 000 Euro im Jahr fast das Doppelte ausgeben. Die Einschätzung, dass an einheitlichem Auftritt und Zentralisierung kein Weg vorbeiführt, untermauerte Trimborn mit Recherchen seines Instituts zu anderen Tourismusregionen im ganzen deutschsprachigen Raum.

Dadurch angeregt hatten Landkreis-Entwickler Bernd Hölzel und seine Mitarbeiterinnen zusammengestellt, wie hoch die Ausgaben der einzelnen Landkreis-Gemeinden im Bereich Tourismus derzeit sind: rund 200 000 Euro jährlich, ohne Personalkosten. Dazu kommen rund 25 000 Euro, die die Tourismusvereine ausgeben. Geht man davon aus, dass auch eine zentrale Anlaufstelle für Anfragen von auswärts die Büros und Museen vor Ort nicht überflüssig macht, so lässt sich hier, wie Hölzel zugab, „nicht all zu viel bündeln.“

Will der Landkreis also den zahlreichen Vorschlägen für mehr Marketing, mehr Qualität, mehr Kommunikation in der Branche und Förderung neuer Angebote nähertreten, so müsste er insgesamt für den Tourismus mehr Geld ausgeben — das aber dank mehr Arbeitsplätzen in der Branche und mehr Besuchern vielfach zurückkäme, wie Trimborn versicherte.

Die Reaktionen der Kreisräte waren erst einmal verhalten: Heidi Suttner (SPD) begrüßte das Konzept, wollte aber „eine so weitreichende Entscheidung“ erst in ihrer Fraktion diskutieren. Klaus Hähnlein (FWG) fühlte sich „erst einmal erschlagen“ von den vielen Vorschlägen und wollte sich nicht festlegen, wieviel davon sich der Kreis „leisten könne“. Zudem wäre „ein Zusammenschluss zwar gut, aber ob auch alle mitmachen?“ Lydia Bis ping (Grüne) wollte die Zentralisierung beim Landratsamt am liebsten gleich im Beschluss festschreiben. Kurt Eckstein (CSU) mahnte hingegen zu einem behutsamen und abgestimmten Vorgehen mit Gemeinden und Tourismusvereinen. Die Überzeugungsarbeit dort wollen Hölzel und sein Team in den nächsten Monaten leisten.

Walter Grzesiek

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