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Henfenfeld sucht hilfsbereite Nachbarn

HENFENFELD (kp) — In Hersbruck, Reichenschwand oder Velden gibt es sie schon lange: eine Nachbarschaftsinitiative, die engagierte Ehrenamtliche und Hilfesuchende zusammenbringt. Jetzt soll so etwas auch in Henfenfeld entstehen. Wer als „Nachbar“ mitmachen will, ist am kommenden Dienstag, 17. April, zu einem ersten Informationsabend ins Gemeindehaus eingeladen.

In Hersbruck entstand die Aktion „Nachbarn werden“ bereits im April 1995. Seit damals leisten die rund 20 ehrenamtlichen Helfer Nachbarschaftshilfe im klassischen Sinne – sei es mit kleinen Handreichungen im Haushalt, als Einkaufshelfer, Ämterlotsen, Pflegepartner oder Leihgroßeltern. Die Bandbreite des Angebots stellte Diplom-Sozialpädagogin Cornelie Fritz vom Diakonischen Werk, die hauptamtliche Koordinatorin der Aktion, schon vor einiger Zeit bei einer Jahreshauptversammlung des Diakonievereins Henfenfeld vor.

„Wir haben es reifen lassen“, sagte Henfenfelds Pfarrer Peter Baumann jetzt bei der Vorstellung des Projekts. Der letzte Anstoß, die gute Idee in die Tat umzusetzen, kam von Pflegedienstleiterin Maria Deinzer und ihren sieben Mitarbeiterinnen in der örtlichen Diakoniestation. „Wir haben uns gefragt, ob es sinnvolle Aufgaben gibt, die nicht unbedingt von den ausgebildeten Pflegefachkräften erledigt werden müssen“, sagte Baumann.

Die schlichte Antwort lautete „Ja“. Und so möchte der Pfarrer und Vorsitzende des Diakonievereins nun auch Ehrenamtliche ins Boot holen. Als Vorbild dienen die „Nachbarn“ aus Hersbruck – so soll sich die Nachbarschaftshilfe in der Hammerbachtalgemeinde nicht nur auf Senioren und Pflegebedürftige erstrecken, sondern auch auf Kinder und Jugendliche. Hier ist ebenfalls genügend „Input“ von Seiten des Diakonievereins zu erwarten, schließlich unterhält der die Kindergärten in der Kirchenstraße und der Bahnhofstraße.

Auch Bürgermeister Gerhard Kubek ist dem Diakonieverein für seine Initiative dankbar und begrüßt sie als wichtigen „harten Standortfaktor“ neben S-Bahn-Anschluss, Schule und Kindergärten. Denn obwohl die Bevölkerung im Ort leicht wächst, macht sich in Henfenfeld der demographische Wandel zusehends bemerkbar: „Als ich 1990 Bürgermeister wurde, gab es 68 über 80-Jährige, inzwischen sind es über 120“, sagte der Rathauschef. Stattet er den Senioren an ihrem Geburtstag einen Besuch ab, darf er „auch schon mal eine Glühbirne wechseln“.

Bedarf ist also durchaus vorhanden, auch die notwendigen Strukturen sind bereits geschaffen: Finanzieller Träger der „Nachbarschaftshilfe Henfenfeld“ ist der Diakonieverein, dort sind die Ehrenamtlichen während ihrer Einsätze auch versichert. Als Einsatzleiterin fand Pfarrer Baumann mit Maria Morzcynski eine im Ort gut bekannte und beliebte Person, die jahrzehntelang im Diakonieverein aktiv war. Statt wie in Hersbruck von einem Büro aus koordiniert sie künftige Einsätze via Handy (0175/99 86 958). Über den Kirchenboten und mit Flyern hat Baumann zudem schon kräftig die Werbetrommel gerührt.

Was derzeit (noch) fehlt, ist ein „Grundstock“ (Baumann) an tatkräftigen Helfern. Die Aufgaben sind vielfältig, wie Maria Deinzer beim ersten Treffen berichtete: Die einen wünschen sich einfach nur einen Besucher, der ihnen etwas vorliest, andere möchten einen Begleiter beim Gang auf den Friedhof oder zum Lebensmittelladen. Wieder andere wollen ihre Kinder betreut wissen, um an einem Nachmittag in der Woche zum Friseur oder aufs Amt gehen zu können. Angehörige von Pflegebedürftigen fragen ebenfalls oft nach ein paar Stunden Entlastung.

Am kommenden Dienstag, 17. April, laden Pfarrer Peter Baumann und Koordinatorin Maria Morzcynski deshalb alle Henfenfelder – Frauen, Männer, Berufstätige, Ruheständler, Ältere oder Jugendliche – zu einem Informationsabend ein, die ihren „Nachbarn“ eine helfende Hand reichen wollen. Der Abend beginnt um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Kirchenstraße 1.

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