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Hunde als Therapeuten

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Therapeuten und Pädagogen sind auf den Hund gekommen. Die vierbeinigen Helfer standen im Mittelpunkt eines Symposiums, das der Lebenshilfe-Landesverband zu seinem 50-jährigen Jubiläum im Blindeninstitut Rückersdorf veranstaltet hat. Vorträge und Workshops zeigten: Mit Hunden lässt sich viel erreichen, was der Mensch alleine kaum oder gar nicht schaffen würde.

Die über 70 Teilnehmer kamen aus verschiedensten Teilen Deutschlands – bis aus Berlin, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Es waren überwiegend Frauen, die bereits mit Hunden arbeiten und dazulernen wollen. Denn die „tiergestützte Pädagogik und Therapie“ ist noch relativ jung und ausbaufähig. Der Lebenshilfe-Landesverband Bayern bietet seit fünf Jahren Weiterbildungen hierzu an.

Im Blindeninstitut Rückersdorf sind die tierischen Helfer mittlerweile selbstverständlich. „Der Hund ist ein wichtiges Arbeitsmittel für Therapeuten“, sagt die Heilpädagogin Eva Ebeling, die das Symposium zusammen mit Nina Grosser leitete. „Hunde motivieren sehr stark. Sie machen Menschen aktiver und selbstbewusster“, stellt Grosser fest.
Das ist gerade für die Arbeit mit behinderten Menschen wertvoll. Die Pädagogen und Therapeuten müssen behutsam ausloten, wo die Fähigkeiten ihrer Schützlinge liegen, und Zugang zu ihnen finden. Der Hund hilft ihnen dabei als „Türöffner“.

Freilich sind nicht alle Hunde für diese Aufgabe geeignet. Sie müssen ruhig, vertrauenerweckend und lernwillig sein – Charaktereigenschaften, die nicht jeder Vierbeiner hat. Viel wichtiger ist, wie der Mensch die Tiere auf ihre Aufgaben in Unterricht und Therapie vorbereitet. Das zeigte eindrucksvoll ein Hund, der angeblich rechnen kann. Natürlich kann er das nicht wirklich. Aber er wurde mit viel Geduld so ausgebildet, dass er tut als ob. Und schon finden Kinder und Jugendliche, die ihn erleben, Gefallen an Mathematik. Das ist im herkömmlichen Schulalltag undenkbar, aber bei „Menschen mit erhöhtem Förderbedarf“ sehr wertvoll.

Wer unüberwindbare Angst vor Hunden – oder Tieren allgemein – hat, wird von den vierbeinigen Lehrassistenten nicht profitieren. Deshalb müssen die zweibeinigen Lehrmeister einfühlsam und kompetent sein. Wann bringt die Hunde-Schule etwas? Wie wirkt die Begegnung auf den jeweiligen Menschen? Das Symposium gab dazu viele Denkanstöße. Es behandelte auch die Frage, die viele Menschen quält, wenn sie Kontakt zu Tieren aufnehmen: Kann ich mir da eine Krankheit holen? Tierarzt Dr. Detlef Röchert gab Entwarnung: Wenn ein Hund gut gepflegt, regelmäßig geimpft und entwurmt ist, besteht so gut wie keine Gefahr. Wie bei Hunden verantwortungsvoller Therapeuten.

Thomas Kohl

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