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Ein Bier mit einer langen Tradition

NEUHAUS – Wer in Neuhaus an der Pegnitz dem „Zoiglstern“ folgt, kommt nicht dran vorbei und viele reisen sogar extra seinetwegen von weit her an: dem würzigen Bier der Kommunbrauer. Drei von den ursprünglich 85 Bürgern mit Brauerlaubnis üben heute noch ihr Recht im gemeinsamen Brauhaus aus. Heraus kommt ein ganz besonderer Gerstensaft, den sie unter sich aufteilen und im Wechsel ausschenken. Der ausgeklappte Stern an der Hauswand zeigt an, wer gerade an der Reihe ist.

„Das Braurecht liegt auf dem Haus“, erklärt die burschikose Wirtin Andrea Benaburger, die zusammen mit ihrem Mann – einem gelernten Brauer – eines der drei Kommun-Wirtshäuser betreibt. „Wenn wir hier ausziehen würden und jemand anders einzieht, würde das Recht auf ihn übergehen.“

Schon seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Neuhauser Kommunbrauer. Damals schenkte ihnen der Bamberger Fürstbischof Weigand von Redwitz das kommunale Brau- und Schankrecht und verkaufte den Bürgern das Brauhaus symbolisch für 150 Gulden. Von da an produzierten einige von ihnen ihr eigenes Bier, das sie aber nur in ihren eigenen Häusern ausschenken durften. Nach einem alten Verfahren, das streng geheim ist, wird auch heute noch der Gerstensaft hergestellt.

Meist im zweiwöchigen Rhythmus wechselt der Ausschank zwischen den Familien Reindl („Hombauer“) und Benaburger („Prunnhuber“), die dritte im Bunde, Familie Döth („Schaffer“), schenkt nur noch ein- bis zweimal im Jahr aus. Der ausgeklappte „Zoiglstern“, den jeder der Kommun-Wirte an der Hauswand hat, zeigt an, beim wem gerade ausgeschenkt wird. Die Ecken der beiden Dreiecke des Sterns stehen für Feuer, Wasser und Luft – die drei Elemente, die zum Bierbrauen benötigt werden. Den gemeinsam hergestellten Sud teilen die Wirte unter sich auf. 1500 bis 2000 Liter bekommt jeder von ihnen. „Und wenn beim einen Wirt das Bier zu Ende ist, macht halt der nächste auf“, sagt Benaburger.

Ihr Mann Paul, der hauptberuflich in der Metallindustrie arbeitet, sorgt zusammen mit dem anderen Paul (Reindl) in regelmäßigen Abständen für Nachschub. Die „Stammwürze“, die beim „Maischen“, also dem Erhitzen des Malz-Wasser-Gemisches entsteht, bekommen die „Kommunerer“ aus dem Brauhaus der Neuhauser „Falkenloch-Bräu“ und setzen es zum Gären in einem alten Felsenkeller der Gemeinde an.

In einem großen offenen Bottich liegt das zukünftige Bier dann bei zunächst etwa sieben Grad Celsius für sechs bis acht Tage unter einer zehn Zentimeter dicken Schaumschicht. Paul Reindl, den alle nur „Pauli“ nennen, hat den Prozess genau im Auge. Erst am Tag zuvor hat er die Würze zusammen mit der Hefe im Keller angesetzt. „Nach etwa einem Tag fängt das Gemisch an zu gären“, erklärt er, „man könnte das jetzt auch schon trinken, das schmeckt halt wie Karamalz und enthält noch keinen Alkohol.“

Wenn der Gärprozess abgeschlossen ist, kommt das Bier in große Edelstahltanks, wo es einige Wochen lagert, bis es in Fässer abgefüllt und in der Wirtsstube ausgeschenkt wird. Es hat einen Alkoholgehalt zwischen 5,2 und 5,5 Prozent und ist ein sogenanntes „Märzenbier“, ein Vollbier, das früher im März zur längeren Haltbarkeit mit höherem Alkoholanteil gebraut wurde. „Die Bernsteinfarbe kommt von der besonderen Malzmischung, beim „Maischen“ entsteht der vollmundige Geschmack“, erklärt Andrea Benaburgers Sohn Stefan, der gerade seinen Braumeister macht.

Für 1,90 Euro bekommt man die Halbe bei allen drei Kommun-Wirten, so günstiges Bier findet man heute wohl nur noch selten. Damit der überdurchschnittlich stark alkoholische Gerstensaft nicht allzu schnell zu Kopfe steigt, gibt es bei den Kommunbrauern auch rustikale fränkische Küche: Fleischsulze, Stadtwurst, Seufzer, Bratwürste, Hack- und Schmalzbrot sollen den Hunger der jungen und alten Gäste stillen.

„Am Wochenende kommen viele junge Leute“, erzählt Andrea Benaburger. Die Stimmung sei häufig ausgelassen, manchmal sorge ihr Mann auch für rockige Musik aus der Anlage. Am Sonntag kommen dann eher die älteren Gäste. Seit 1995 steht sie hinter dem Tresen und will das „auf jeden Fall noch länger machen“. „Wenn in einer Wirtschaft zehn Jahre nicht ausgeschenkt wurde, verfällt das Braurecht“, erklärt ihr Sohn Stefan. Er will das verhindern und die Gastwirtschaft eines Tages übernehmen – für den „Kommunerer“-Nachwuchs ist also gesorgt.

Momentan ist die Wirtsstube von Paul Reindl am Unteren Markt 3 in Neuhaus geöffnet.

Melanie Strauß

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