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Die Schnecke hat viel Potenzial

UNTERKRUMBACH – „Urban Gardening“ (dt.: Gärtnern in der Stadt) auf dem Schickedanz-Areal in Hersbruck? Anhand solcher Gedankenspiele machten Prof. Dr. Andreas Emminger und Viola Schulze- Dieckhoff deutlich, was sie unter einer Cittaslow verstehen. Beide hielten in lockerer Atmosphäre Vorträge auf den 14. Unterkrumbacher Werkstatt-Tagen. Diese fanden in diesem Jahr zum Thema „Heißt „slow“ einfach „Lebensqualität?“ statt.

Viola Schulze- Dieckhoff, die in ihrer Diplomarbeit über deutsche Cittaslows forscht, stellte klar, wie ihrer Meinung nach Cittaslows nur funktionieren können: Mit einem Bekenntnis der kommunalen Politiker zu der Bewegung einerseits, und dem Einbringen von Ideen einer aktiven Bevölkerung andererseits. „Es ist wichtig, dass Amtsträger über ihre Legislaturperiode hinaus denken“, so die Dortmunder Studentin.

Konkret für die Brachfläche des Schickedanz-Areals sagte der Regensburger Prof. Dr. Emminger: „Trotz Mittelknappheit sollte die Stadt die Fläche kaufen und damit die Geschicke des Geländes in die Hand nehmen.“ Wichtig sei, dass die Kommune das Nutzungsrecht besäße und eine Zielsetzung habe, was mit dem attraktiven Ort im Herzen der Stadt geschehe. Studentin Schulze- Diekhoff hatte für Letzteres schon eine Idee: Sie findet den Bereich „ideal für Urban Gardening“. Diese neue Gartenbewegung wird zusehends in Städten beliebter: Bewohner verwandeln dabei in ihrem Rückbesinnen auf die Natur urbane Brachflächen in sprießende Grünanlagen.

Insgesamt bescheinigte die Expertin für Cittaslows Hersbruck ein „großes Potenzial“: Bei ihrem Besuch in der mittelfränkischen Kleinstadt fielen ihr die „Allmendeflächen“ – also landwirtschaftlich genutzte Flächen in Gemeinschaftsbesitz -, der regionale Wochenmarkt, gute regionale Produkte wie das Hersbrucker Bier, aber vor allen Dingen Einwohner auf, die sich mit ihrem Wohnort identifizieren: „Sie kennen die Projekte und sie kennen ihre Stadt“, so Schulze Dieckhoff. Positiv hervorzuheben sei auch der Workshop Cittaslow in der Stadt.

Dem pflichtete Emminger bei: Wie bereits im Workshop geschehen (wir berichteten) sei es wichtig, der „Dachmarke Cittaslow“ einen regionalen Stempel aufzudrücken. Dazu gehöre es, die vielen Einzelmaßnahmen aufzugreifen, weiterzuentwickeln, neue Ideen der Bürger einzubeziehen und all dies zusammenzufassen, um das Ganze letztlich innerhalb von Projekten zu realisieren.

Nur so könne die „Kultur des eigenen Ortes installiert“ und die Prinzipien einer Cittaslow gelebt werden. Nämlich sich Zeit im eigenen Ort für „das Bedeutsame nehmen“, keine Schritte – sei es von Politikern oder Konsumenten – zu überhasten, und in der „Entschleunigung“ ein Stück Lebensqualität zu entdecken.

Auf das Stichwort „lebenswerter Raum“ kam Emminger in seinem Vortrag über Architektur und Cittaslow zu sprechen. In Zeiten der Globalisierung sei es wichtig, „Nischen und Räume“ zu schaffen, die den Einwohnern als Ort der Identifikation dienen. Denn: „Wo wir leben ist viel Wert und ein Teil von uns“, so der gebürtige Nürnberger.

Ulla Meckler

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