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Wappnen für die Zukunft

OFFENHAUSEN – Von den Bürgern für die Bürger – unter diesem Leitsatz haben sich im vergangenen Juli die Bürgerenergiewerke Offenhausen e.G. & KG gegründet. Ihr Ziel ist hoch gesteckt: Offenhausen soll eine Bioenergiegemeinde werden.

„Öl ist ein zu wertvoller Rohstoff, als ihn tagtäglich in die Luft zu blasen“, sagt Bürgermeister Georg Rauh. Lange vor der Atomkatastrophe in Fukushima machten sich die Gemeinderäte Gedanken über ihre künftige Energieversorgung. Regenerativ sollten sie sein, bereits gestartete private Initiativen einbezogen werden und die Wertschöpfung vor allen Dingen in der Gemeinde bleiben – bei der Gemeinde selbst, den Unternehmen und den Bürgern.

Herausgekommen ist gemäß dieser Idee – die entschieden vom Arbeitskreis Energie und den Bürgern gefördert wurde – eine Bürgergenossenschaft in einer bis dato einzigartigen Unternehmensform in Deutschland: Die Bürgergenossenschaft bildet dabei das Dach, unter dem eine Kommanditgesellschaft angesiedelt ist. Diese kümmert sich um die Finanzierung und Vermarktung der Windenergie. Die 84 Gründungsmitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen Windpark und ein Nahwärmenetz in der Gemeinde im Hammerbachtal zu bauen und zu betreiben. Daneben sind Photovoltaik- und Wasserkraftprojekte vorgesehen.

Vier Windräder für 20 Millionen
Konkret sehen die Pläne in Sachen Windkraft so aus: In Zusammenarbeit mit dem Dienstleister „Wust – Wind & Sonne“ GmbH&Co.KG entstehen auf der Kuchaer Höhe vier Windräder. Kosten: Knapp 20 Millionen Euro. Allein ein Windrad reicht aus, um die 1600 Offenhausener mit Strom zu versorgen. 6,5 Millionen Euro investieren 184 Privatpersonen aus der Gemeinde, aus Nachbarorten und dem Landkreis in das Projekt. Auch die Gemeinde beteiligt sich an der Windkraftanlage. Der Rest wird bankenüblich finanziert. Bis 2013 sollen die 135 Meter hohen Windräder in Betrieb gehen und Strom in das öffentliche Netz einspeisen.

Mit einer offensiven Vorgehensweise beugte die Gemeinde auch einem häufigen Problem bei Windkraftanlagen vor: Dem „Wildwuchs“ von Windrädern. Der Gemeinderat Offenhausen bestimmte frühzeitig in einem Flächennutzungsplan eine Konzentrationszone am Kuchaer Berg als Standort für Windräder. In diese Fußstapfen sind nun die Bürgerenergiewerke getreten mit dem Ziel, Bau, Eigentum und Betrieb der Windkraftanlage in Offenhausen zu behalten. Denn: „Wir wollten von Anfang an, dass sich jeder Einwohner an dem Projekt beteiligen kann“, so Rathaus-Chef Rauh, der auch Vorstandsvorsitzender der Bürgerwerke ist.

Neues Nahwärmenetz
Das neueste Projekt der Bürgerenergiewerke ist der Aufbau von Nahwärmenetzen in der Gemeinde. Die Abwärme von zwei Biogasanlagen im Hauptort Offenhausen und dem Gemeindeteil Püscheldorf soll genutzt und, ergänzt durch Wärme aus Hackschnitzelheizungen, über Erdleitungen in die Haushalte transportiert werden.

Langfristig fahren Bürger mit dieser Heiztechnik besser, als wenn sie auf Öl oder Gas setzen, sind sich die Vorstandskollegen Manfred Dorn und Hans Hummer sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Niebler und dessen Stellvertreter Gerd Müller sicher. Derzeit laufe eine „intensive Behandlung“ des Themas mit Bürgerinformationsveranstaltungen und individuellen Beratungsgesprächen. Auf Basis der konkreten Bürgerzusagen erfolgt aktuell die Planung von Heizwerk und Versorgungsleitung. Die erste Nahwärme soll bis 2013 lieferbar sein.

Das spiegelt das Vorgehen der Gemeinde und der Bürgergenossenschaft beim Projekt „Energiewende“ wider: „Wir können ein Potenzial an erneuerbarer Energieversorgung schaffen“, sagt Müller. „Was die Privatleute aber letztlich in Anspruch nehmen und was nicht, entscheiden nicht wir.“
Grundsätzlich zeigen sich die Verantwortlichen optimistisch: „Vor zehn Jahren waren Windräder allen neu und stießen auf große Skepsis“, sagt Aufsichtsrat Niebler. Heute seien sie größtenteils akzeptiert. Ein ähnliches Szenario sieht er bei der Nahwärmeversorgung: „Der Prozess ist jetzt voll im Gange.“ In zehn Jahren könnte sie einen Stand haben wie heute die Windkraft.

Daher sehen es die Männer auch als wichtig an, bei den neuesten Entwicklungen vorne mit dabei zu sein. „Wir haben die Nase im Wind“, frohlockt Vorsitzender Dorn. Die Genossenschaft arbeite dabei im engen Schulterschluss mit der Gemeinde: „Wenn sich was tut, tragen wir das in den Gemeinderat und umgekehrt“, so die Übereinkunft.

Mit Blick auf ihre Aufgabenliste scheint das einiges zu sein: Neben den angestoßenen Projekten sieht Bürgermeister Rauh in Sachen Stromspeicherung, Wärmedämmung oder bei Elektroautos viel Potenzial.
Auch ihr Know-how zu vermarkten gehört zu den Zukunftsplänen der Offenhausener: „Wir haben viel Erfahrung gesammelt mit der Planung, den Problemen und der Durchführung beim Bau einer Windkraftanlage“, sagt Vorsitzender Dorn.

Wer ähnliche Pläne hat, kann in einer eigenen KG Teil der Genossenschaft werden und von ihrem Wissen profitieren. „Wir helfen bei Projekten und schnüren dann ein Komplettpaket“, so Dorn. Außerdem plant die Kommune eine Stiftung zu gründen, in die auch Erlöse aus der Genossenschaft fließen. Die finanziellen Mittel werden in soziale und kulturelle Projekte der Gemeinde investiert.

Überhaupt gebe es noch so viel mehr zu tun: Offenhausen könnte eine Art Bioenergie-Pilgerdorf werden. Führungen sollen zeigen, was die Gemeinde schon alles geleistet hat. Mit E-Bikes oder Segways könnten Touristen durch den Ort flitzen und Infostände über das Projekt aufklären – bei dem Thema geraten die Männer schier ins Schwärmen.

„Wir wollen nicht zu viele Baustellen aufmachen“, bringt Bürgermeister Rauh die Runde auf den Boden der Tatsachen zurück. Und gesteht kurz darauf schmunzelnd ein: „Naja, irgendwie gehört das doch alles dazu“. Denn es ist ihr großes Ziel, in 20 Jahren komplett auf erneuerbare Energien umgestiegen zu sein – mit den Bürgern.

Ulla Meckler

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