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Gesang schönstes Instrument

HENFENFELD – Eine schöne Stunde voller Musik versprach Prof. Charlotte Lehmann dem Publikum, das sich zum Abschlusskonzert ihres Gesangsmeisterkurses im Roten Saal auf Schloss Henfenfeld eingefunden hatte. Sie stellte auch ihr Credo vor, dass man mit dem Singen nicht früh genug anfangen könne: „Gesang ist schließlich schöner als das beste Instrument.“

International war der Kurs belegt, den Auftakt des Konzertes übernahm die Brasilianerin Larissa Souza. Eines der wenigen Lieder, die Wolfgang Amadeus Mozart komponierte, war „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“. Die Sopranistin wusste dies ausdrucksvoll vorzustellen. Besinnlich sang sie die Arie der Kleopatra aus Händels „Giulio Cesare in Egitto“, bei dem das barocke Flair gut zur Geltung kam.

Gerade 17 Jahre ist Hanna Maria Cunradi jung, aber ihr Gesang weist schon große Reife auf. Die Sopranistin faszinierte mit den Schumann-Liedern „Der Sandmann“ und „Die Waise“ mit feinster musikalischer Lyrik. Fein artikuliert und angemessen in Gestik und Mimik begeisterte ihr Vortrag das Publikum. Das „Lae tari, iocari“, welches Mozart als Elfjähriger komponiert hatte, bot sie mit prächtigem Gesang an, hier wurde gelacht, gescherzt und gejubelt.

Als stimmgewaltiger Bariton präsentierte sich der Japaner Shin Taniguchi. Aus „Des Knaben Wunderhorn“ von Gustav Mahler besang er bei „Lob des hohen Verstandes“ das musikalische Duell zwischen Nachtigall und Kuckuck. Kräftig gab auch der Esel seinen Kommentar dazu, was zur allgemeinen Erheiterung des Publikums beitrug.

Das „Revelge“, ein Militärthema mit verschiedenen Stimmfarben, schallte gewaltig weit über den Saal hinaus. Auch Denette Whitter am Flügel wusste hier zu imponieren, das überdeutlich rhythmische Spiel gab donnernd den Takt vor. Viel Beifall bekam der Sänger als Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini. Sein Vorstellungslied als Barbier wurde in deutscher Sprache gesungen, auch bei den schnellsten Textstellen mit höchster Präzision. Bravo-Rufe waren hier für eine Meisterleistung ein gerechter Lohn.

Die berühmteste Oper von der iberischen Halbinsel ist zweifellos „Carmen“ von Georges Bizet. Das schmeichelnde „Seguidilla“ bot die Mezzosopranistin Julia Halfar an. Mit großer Leidenschaft umgarnt Carmen dabei ihren Gefängniswärter Don José, dem sie eine heiße Liebesnacht verspricht, wenn er sie freiließe. Hier bekam das Publikum einen virtuosen Gesang zu Gehör, ebenso bei „O don fatale“ aus „Don Carlos“ von Giuseppe Verdi.

Dramatik, Trauer und Jubel wurden von der Sängerin vorzüglich in Szene gesetzt, als beim Lied der Ebolie die eigene Schönheit als „fatales Geschenk“ offenbart wurde. Feinen Koloraturgesang bot die Sopranistin Ani Taniguchi bei der Glockenarie „Où va la jeune indoue“ aus Leo Delibes „Lakmè“ an. Die zierliche Sängerin zeigte eine gewaltige Stimme bis in die höchsten Lagen. Viel Beifall gab es für eine zauberhafte Stunde voller Musik.

Johann Dechant

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