Kirchweih

Die Kirwa: Bis der Wecker klingelt

Die Kirwa ist ein ganz wichtiges Datum in Franken und damit natürlich auch in der Hersbrucker Schweiz: Jedes Dorf, jeder Markflecken, jedes Städtchen und beinahe schon jede Häuseransammlung feiern ihre Kirchweih. Von Ende April bis Anfang November findet fast jedes Wochenende eine typische Kirwa statt. Jeder Gast, ob Einheimischer oder Urlauber, ist bei der fränkischen Kirchweih willkommen, um am Kirchweihtreiben teilzunehmen.

Los geht’s mit den Feierlichkeiten, die ihren Ursprung in der Kirchenweihe haben, am Mittwoch oder Donnerstag. Da wird die Kirchweih „ausgegraben“ und am Donnerstag mit der Vogelsuppe eröffnet. In Gasthäusern oder einem Bierzelt spielt abends Musik auf. Am Samstag wird von den Kirwaburschen, die aus dem Ort stammen müssen, der „Kirchweihbaum“ aufgestellt. Dazu fahren sie in der Früh in den Wald, um den vorher ausgesuchten Baum (meist eine Fichte) zu fällen und ins Dorf zu bringen. Der Baum darf beim Fällen nicht durchbrechen, insbesondere der empfindlichen Spitze wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Der Baum wird mit Kränzen, Bändern und Schnitzereien in die Rinde geschmückt bevor er unter Benutzung verschieden langer, an einem Ende verbundener Stangen (Schwalben oder Spreizen) aufgestellt wird. Dieser Vorgang zieht sich meist über mehrere Stunden hin und ist sehr anstrengend, da der Baum über 30 Meter hoch sein kann.

Sonntagabend steht dann das Baumaustanzen an. In Lederhose und Dirndl tanzen die jungen und unverheirateten Kirwa-Leut so lange um den Baum, bis der vorher gestellte Wecker klingelt. Während ihrer Runden wechseln sich Musikstücke und traditionelle Kirwa-Lieder der Burschn ab. Außerdem werden nach jedem Lied ein Blumenstrauß und manchmal auch ein Hut von Paar zu Paar weitergegeben. Wer beim Weckerklingeln den Strauß hat, der ist Oberkirwa-Paar und muss die anderen zum Essen einladen. In einigen Dörfern tanzen am Montagabend die Verheirateten den Baum aus, bevor die Kirwa wieder „eingegraben“ wird. Gottesdienst, Fahrgeschäfte, Buden und viel Musik umrahmen die Kirwa.


Alfelder Kirwa: Von goldenen Schweinsblasen und langen Seilen

Eine Besonderheit in der Hersbrucker Schweiz ist die Kirwa in Alfeld, denn wo sonst spannt man 200 Meter Seil quer übers Dorf, hängt Bäumchen und Schweinsblase dran und huldigt so der Dorfgeschichte? Auch die ist einmalig: 300 Jahre lang war der Ort in zwei Herrschaftsgebiete geteilt. Mit der Kirchweih am Sonntag nach Bartholomäus Ende August feiern die Alfelder daher auch die Wiedervereinigung ihres Dorfes. Über dem Kirchweihbaum, vom Schneiderberg zum Kegelberg, wird ein über 200 Meter langes Seil gespannt. An dem hängt ein goldener´„Buschn“, ein Fichtenbäumchen, das in einem zylinderförmigen Behälter steckt und an dem eine vergoldete Schweinsblase befestigt ist. Symbol für Freude soll das Gold sein, das Bäumchen mit seinem Grün steht für die Hoffnung, dass es nie mehr eine Trennung geben möge. Die Schweinsblase soll das Glück versinnbildlichen. Aufgezogen wird der Buschn in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Der Kirchweihbaum ist auch nicht – wie in anderen Ortschaften üblich – mit Kränzen geschmückt, sondern hat nur ein Fähnchen im Wipfel. Ausgetanzt wird der Baum erst am Montagabend. Die Kirwaburschen bekommen eine schwarze Weste, auf deren Rücken das Symbol für ihren Beruf gemalt ist. Beim Austanzen wird dann der „Houterer“ bestimmt. Früher war es üblich, dass dieser sein Mädchen mit dem Fahrrad Anfang September zur Kirchweih nach Trautmannshofen fährt. Aber das klappt heute nicht mehr.


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